MRP
Material Requirements Planning
Materialbedarfsplanung — Berechnung, was, wann und in welcher Menge bestellt oder gefertigt werden muss, um geplante Aufträge zu erfüllen.
Was ist MRP?
MRP (Material Requirements Planning) ist ein Berechnungsmechanismus, der auf der Basis des Verkaufsplans (oder konkreter Fertigungsaufträge), aktueller Lagerbestände und der Stückliste (BOM) automatisch ermittelt, welches Material, in welcher Menge und wann bestellt oder mit der Fertigung begonnen werden muss. Das Ziel ist, Material genau dann auf Lager zu haben, wenn die Fertigung es benötigt — nicht früher (bindet Kapital) und nicht später (stoppt die Linie).
In einem deutschen Maschinenbau- oder Lebensmittelunternehmen läuft MRP typischerweise täglich oder wöchentlich. Eingaben sind offene Aufträge, prognostizierte Bestellungen und Mindestbestände; Ausgaben sind vorgeschlagene Lieferantenbestellungen und Fertigungsaufträge mit konkreten Startdaten. Die Qualität von MRP steht und fällt mit der Genauigkeit der BOM und des Lagerzustands.
Wann wird es eingesetzt
MRP ist der Kern jeder diskreten Fertigung — von der Metallbearbeitung über Elektronik bis zum Möbelbau. Ohne MRP degradiert die Planung zum „Schätzwert des Lagermitarbeiters” und das Unternehmen über- oder unterschätzt Bestände chronisch und stoppt die Fertigung wiederholt wegen fehlender Komponenten.
Siehe Modul Fertigung, Modul Einkauf und Branche Fertigung.
Verwandte Begriffe
- BOM — Stückliste, der Eingangsdatensatz von MRP. Siehe /de/glossar/bom.
- ERP — MRP ist historisch eines der ersten ERP-Module. Siehe /de/glossar/erp.
- MES — die Ausführungsebene, die unter MRP in der Werkstatt läuft. Siehe /de/glossar/mes.
- Kanban — alternativer Pull-basierter Ansatz zur Materialsteuerung. Siehe /de/glossar/kanban.
In Modulario
Das Modulario-Modul Fertigung kombiniert MRP-Berechnung mit direkter Anbindung an das Modul Lager und Einkauf. Nach Auftragsbestätigung schlägt das System automatisch vor, welche Artikel bestellt und welche aus dem Lager entnommen werden sollen — der Planer bestätigt oder passt an.
Der MRP-Lauf in Modulario kann manuell oder geplant gestartet werden (z. B. jeden Freitagabend). Der Planer sieht am Montagmorgen eine Liste vorgeschlagener Einkaufsbestellungen und Fertigungsaufträge mit geschätzten Terminen und Budget. Bei Abweichungen (z. B. Material kommt nicht rechtzeitig) signalisiert das System Auftragsverzögerungen und schlägt Alternativen vor.
Die Qualität des MRP-Outputs wird direkt von der Genauigkeit der Eingaben beeinflusst — ein falscher Lagerbestand oder eine veraltete BOM führt zu fehlerhaften Bestellungen und Chaos in der Fertigung. Daher sind regelmäßige Inventuren und das Management von Stücklistenänderungen (ECO — Engineering Change Order) kritisch.
Verwandte Begriffe
ERP
Umfassendes Informationssystem für das Management von Unternehmensressourcen — Finanzen, Lagerbestände, Fertigung, Personal und Vertrieb in einer integrierten Plattform.
BOM
Strukturierte Liste aller Materialien, Teile und Halbfertigprodukte, die zur Herstellung einer Einheit des Endprodukts benötigt werden — Grundlage für MRP und Kalkulationen.
MES
System für die Echtzeit-Steuerung und -Überwachung der Fertigung auf Werkstattebene — wer, was, an welcher Maschine und mit welchem Ergebnis gerade arbeitet.
WMS
System für die Lagersteuerung — Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Versand, Inventuren und Nachverfolgung von Bewegungen auf Standort- und Chargenebene.
Kanban
Visuelles System zur Steuerung des Arbeitsflusses auf der Basis von Karten und Spalten — eine Aufgabe wandert von links nach rechts entsprechend ihrem aktuellen Status.
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